Minnesänger-Denkmal

Das Minnesänger-Denkmal in den Leinstetter Kreuzwiesen

Erinnerung an die Schlacht bei Leinstetten im Jahre 1298 [1][2]

In den Land- und Wanderkarten für das mittlere Glatttal findet man zwischen Bettenhausen und Leinstetten den Hinweis auf die Ruine Lichtenfels. Gegenüber dieser Ruine, über eine Brücke zu Fuß erreichbar, liegt der Sportplatz des „SV Lichtenfels –Leinstetten“ und in seiner Nähe steht ein Denkmal. Diese Talaue wird seit Jahrhunderten als die „Kreuzwiesen“ bezeichnet.

Im Jahre 1985, anlässlich der 900-Jahrfeier von Leinstetten, stießen die Organisatoren der Jubiläumsfeier auf die historische Niederschrift „der Schlacht bei Leinstetten“, die als großes Bild im „Codex Manesse“ in der Großen Heidelberger Liederhandschrift veröffentlicht und dokumentiert ist[3].

Das gemalte Bild der Schlacht bei Leinstetten stellt in einem Kampfgemenge den Grafen Albrecht II. von Hohenberg – Haigerloch dar: In der Bildmitte der Graf mit Wappen und Helmbekrönung, deutlich alles überragend; die Gegner tragen keine Helme, sind gepanzert und durch blutige Wunden im Gesicht gezeichnet. Das Pferd ist zusammengebrochen, das Hohenberger Wappen in Silber und Rot mehrfach sichtbar dargestellt und es fließt viel Blut, während auf den Turmarkaden 3 Frauen händeringend auf das Schlachtfeld schauen.

Zu der Miniatur gibt es folgende Beschreibung: Graf Albrecht II. von Hohenberg und Haigerloch (um 1235-1298) gehörte jenem Zweig der Grafen von Zollern an, die sich nach der bei Spaichingen in Württemberg gelegenen Burg Hohenberg nannten. Als Gefolgsmann seines Schwagers König Rudolf I. von Habsburg stand er nach dessen Tod (1291) im Thronfolgestreit zwischen Adolf von Nassau und Albrecht I. von Habsburg auf der Seite seines Neffen. 1298 fiel er im Kampf gegen Otto III. von Niederbayern vor seiner Burg Leinstetten. Er hinterließ nur ein Minnelied, in dem er die treue und heimliche („tougen“) Minne preist.

Die Schlacht bei Leinstetten fand auch Aufnahme in die im 16. Jahrhundert von Graf Froben Christoph von Zimmern hinterlassene „Zimmerische Chronik“[4] mit folgendem Text: „Unfer von dem Burgstall Liechtenfels, ..…, hat es ein Wiesen, wurt noch heutigs Dags die Creuzwiesen genannt, darauf stehen noch bei unser Zeiten viel Steine gehauene Kreuz, sein in andere gehauene Stein in Boden eingelassen, an denen einsteils die Wappen, auch Namen und Jahreszahlen gehauen gewesen deren, so in dieser Vecht auf selbiger Wiesen und Wallstatt umgekommen, unter denen namlich ein Graf von Hohenberg gewest“.


Erinnerungstafel an die Schlacht von 1298


Reiterwappen von Graf Albrecht II von Hohenberg


Gedenkstein

So war es ganz selbstverständlich, dass sich nach der 900-Jahrfeier unter der Leitung von Lehrer Hans Saile,  dem Feuerwehr-kommandanten a.D. Bernhard Bronner und Schreinermeister Erwin Haibt eine Bürgerinitiative bildete, die für die Nachfahren das Andenken an die berühmte Schlacht von 1298 bewahren wollte. Man beschäftigte sich mit der Persönlichkeit des Grafen Albrecht II. von Hohenberg und organisierte zahlreiche Veranstaltungen, um ein ehrenvolles Denkmal in den Kreuzwiesen zu errichten. Die Fördergemeinschaft Minnesängerdenkmal ließ in Bronzeguss das Reiterwappen von Albrecht II. von Hohenberg und eine Erinnerungstafel an die Schlacht gießen sowie einen Findling als Gedenkstein und 3 Steinkreuze aufstellen; am 1. Juli 1989 war feierliche Einweihung.

Albrecht II. setzte sich für das Haus Habsburg ein und versuchte seinen Neffen Albrecht von Habsburg als Nachfolger vorzuschlagen. Doch zunächst wählten die 7 Kurfürsten Adolf von Nassau zum Deutschen König. Kurze Zeit später kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem deutschen König Adolf und seinen Verbündeten und den Österreichern. Dies war im April 1298  der Auftakt zu der blutrünstigen Schlacht in den Kreuzwiesen. Dazu soll gekürzt wiedergegeben werden, was die verschiedenen Chronisten berichten:

„In dieser Situation stellte sich Graf Albrecht dem bayrischen Heer entgegen und es kam am 17. April 1298 zur mörderischen Schlacht bei Leinstetten. Der eigentliche Schlachtort ist umstritten, da auch Oberndorf genannt ist, doch dürfte das Glatttal der Ort sein, an dem Graf Albrecht mit seinen Getreuen das Leben verlor. Es wird in den Chroniken von Verrat und über den Tod von 40 Rittern und 300 bäuerlichen Fußknechten berichtet. Nachdem 300 Jahre später noch immer zahlreiche Grabdenkmäler dort standen, dürfte es ein fürchterliches Gemetzel gewesen sein.“

Begraben wurde Graf Albrecht II. neben seinem Vater in der nahen Klosterkirche Kirchberg (Renfrizhausen, Stadt Sulz am Neckar). Eine kriegerische Auseinandersetzung mit vielen Toten ist immer ohne Sinn, aber es war eine Ironie des Schicksals, dass in der am 2. Juli 1298 stattfindenden Schlacht bei Göllheim in der Nähe Worms, König Adolf ebenfalls den Tod fand und der Neffe Herzog Albrecht I. von Habsburg zum Deutschen König gewählt wurde, wie es sich Graf Albrecht II. gewünscht hatte.

Autor: Fritz Peter
Veröffentlicht am: 04. April 2018


Quellenverzeichnis;

[1] 900 Jahre in Wort und Bild, Bettenhausen-Leinstetten, Stadt Dornhan, Seiten 70 – 73

[2] Ausführliche Darstellung der Schlacht in der Geschichte der Stadt Dornhan, Bumiller 2010, Seiten 78 und 79

[3] Codex Manesse, Insel-Verlag Frankfurt am Main, Graf Albrecht von Haigerloch (42r), Tafel 18

[4] Uni-Freiburg, Zimmerische Chronik, Karl August Barack, 1881-1 Seite 262/263