Mit einem ehemaligen Mesner auf der Himmelsleiter.

Dienstag, 22. Oktober 2019

Was konnte da noch schiefgehen?

Allerhand. Schon bei der Anfahrt war nicht richtig klar, wer denn Hermann in Dettingen mitnimmt, wer den alten Schäfer in Bettenhausen einlädt und wer noch Platz für Wanderführer Ludwig in Mühlheim hat.  Letztendlich musste sich Ludwig auf den Kirchberg fahren lassen, obwohl doch noch Platz für ihn gewesen wäre.

Ehemaliger Mesner, Kloster Kirchberg, Himmelsleiter, das hörte sich eher nach einer Pilgerfahrt, als nach einer Wanderung an. Dass man im Kreise von 15 Frauen nicht zu Wort kommt, wäre nachvollziehbar gewesen, aber dass selbst Ludwig mit seinem (vor)lauten Organ bei 15 Männern wiederholt um Ruhe bitten musste, war schon verwunderlich. Oder war es nur die gute Stimmung in der Truppe, die Vorfreude auf die Himmelsleiter oder einfach nur Disziplinlosigkeit? Eher Letzteres. Egal. Nach der Begrüßung durch Ludwig ging es auf einer herrlichen Strecke talwärts. Vorbei an mehreren Fischweihern, die von vielfarbigen Laubbäumen und mannshohem Schilf umrahmt waren.

Herrlich das Rascheln des Laubes unter den Sohlen der Wanderschuhe. „Durch dick und dünn“ hätte man die Strecke bezeichnen können. Ein schmaler Pfad führte, der wegen der nassen, laubbedeckten  Wurzeln volle Konzentration verlangte, am Hang entlang und später auf dem Talgrund zum Einstieg bei der Himmelsleiter. Nun galt es 264 Stufen zu erklimmen.

Dass der Weg in den Himmel beschwerlich ist, das weiß man, aber dass man sich so plagen muss, das dachte man doch nicht. „Dann lieber auf einer Rutsche bequem hinunter in die Hölle“, resümierte  Hermann. Aber es half  nichts. Stufe um Stufe, vermutlich für jede Sünde eine Stufe, ein Tritt, musste erklommen werden, um dem Himmel etwas näher zu  kommen. Obwohl eigentlich noch gar keiner dahin wollte.

Also wurde nach der Stufe 264 der  Aufstieg abgebrochen und zum Aussichtspunkt Burgblick gewandert. Vermutlich hätte mancher beim Abgleich mit seinem Sündenregister festgestellt, dass er nochmals runter und wieder rauf und ….na ja, das hat ja noch Zeit. Zeit war es auch, dass Ludwig seiner Wanderführerpflicht nachkam und eine Flasche Schnaps aus dem Rucksack zauberte. Perfekt. Noch einer trug einen vermeintlichen Schatz in seinem Rucksack. Franz wollte Pilzefachmann Paul um Aufklärung bitten, ob das nun ein Pfifferling ist oder nicht, was er da von Zuhause in einem Brillenetui mitgebracht hatte. Doch Paul war nicht dabei. Aus dem Unterholz tauchte aber ein Pilzsammler auf, der dann um Rat gefragt wurde. „Den kannsch fotschmeißa, des isch an Baumpilz“. Sprachlos unterdrückte Franz seine Enttäuschung. Schuster bleib bei deinem Leisten oder Getränkehändler bleib bei deinem Pils.

Während dessen irrte Ludwig im Wald  umher und suchte verzweifelt nach dem angesagten Judenfriedhof. „Retour,“ hallte es über Berg und Tal. Falsch gelaufen, das wurmte den Wanderführer. Beim zweiten Versuch fand er die Gedenksteine und danach ging’s weiter und wieder in die falsche Richtung. Au Backe, da war Ludwig aber gefrustet, aber er wäre nicht Ludwig, wenn er nicht blitzschnell einen Schuldigen parat gehabt hätte. „Seller Bruno isch falschgloffa und i bin hentadreidabbet“. Der Spott der Kameraden trieb ihn mit erhöhter Schrittfrequenz weiter. Die Route auf dem Höhenrücken hinüber zum ehemaligen Kloster Kirchberg entschädigte dann für alles. Ein letztes Stück noch auf der Straße und eine tolle Nachmittagswanderung endete, wie es sich gehörte, in der Klosterschenke. Himmlisch die Schwarzwälder Kirschtorte, wohl temperiert das Bier und süffig der Riesling. Und wieder einmal wurde man mit einem „Kommet au wieder“ verabschiedet.

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