Die DienstagsWanderer ließen sich nicht aufhalten

Dienstag, 04. Februar

Weder vom Hochwasser, noch von Regengüssen, schon gar nicht vom Schneetreiben.

Eine Wanderung im Neckartal zur Burgruine Wehrstein stand auf dem Programm. Die Tourenleitung wurde an Ludwig übergeben, der vor Jahrzehnten vom Glatttal ins Mühlbachtal übergesiedelt ist. Somit war man zuversichtlich, dass man rechtzeitig zur Einkehr wieder am Startpunkt „Ständle“ sein wird.

Schon auf den ersten Metern bot sich ein beeindruckendes Bild. Im Vordergrund das Wehr im Neckar, über das sich durch die starken Regenfälle der letzten Tage gewaltige Wassermassen wälzten, oben auf dem Bergrücken die imposante Ruine der Burg Wehrstein. Dazwischen der alte Ortskern von Fischingen.

Fischingen am Neckar.

„Da war ich auch noch nie,“ war mehrfach zu hören. Hermann schon, er ist hier aufgewachsen und konnte die Fragen der Neugierigen problemlos beantworten. Seine Schildmütze tief in die Stirn gezogen, die Augen hinter der Brille versteckt, war er von den Einheimischen nicht zu erkennen. Absicht, Zufall? Wer ihn kennt, wird eher auf Absicht tippen.

Ist er’s oder ist er’s nicht?

Ludwig bat zum Anstieg über eine tausend Jahre alte Steintreppe, die in einen gut begehbaren Pfad mündete. Die Steilheit nahm Hermann  die Luft und so blieben die Erzählungen aus seiner Jugendzeit leider aus.

Oben angelangt informierte Wanderführer Ludwig über die Restaurierung, über den jetzigen Besitzer und den rührigen Förderverein, der diese Anlage betreut. Bäume wurden mit dem Hubschrauber abtransportiert, Mauern und  Wege mussten ausgebessert und erneuert werden. Nur mit viel Idealismus war das zu schaffen. Auf einem kleinen Rundgang genoss man die Aussicht hinunter ins Neckartal.

Die Sage erzählt, schon Karl der Große soll hier gewesen sein.

Morgens kein Schnaps ist das reinste Gift. Okay, der Morgen war längst vorbei, aber das Burgschnäpsle von Ludwig als vorbeugende Schutzmaßnahme gegen Erkältung und das in China wütende Coronavirus wurde gerne angenommen.

Nicht verschreibungspflichtige Medizin.

Den Wanderschildern folgend ging es bergauf in Richtung Empfingen. Leichte Zweifel kamen auf, denn eigentlich sollte es zurück nach Fischingen gehen. Doch rechtzeitig bekam Ludwig die Kurve und ein schönes Sträßle führte über eine aussichtsreiche Höhe tatsächlich auf das Neckartal zu.

Ein herrlicher Platz auf der Höhe.

Bei den ersten Häusern, man roch schon das Bier vom Ständle, bog er seltsamerweise scheinbar ins Mühlbachtal ein. Denkste. Der Neckar fließt von Sulz kommend im rechten Winkel gen Fischingen und genau an der Ecke endete der mit Vorsicht zu begehende Pfad. Einen Ausrutscher am Steilhang mit Landung in den Fluten hätten nur die wild wuchernden Sträucher verhindert. Eine Sitzlandung auf dem schmierigen Untergrund wollte man trotzdem nicht riskieren. Alle kamen unversehrt im Talgrund an und dann ging es zielstrebig zur Einkehr. Auch hier war alles bestens organisiert. Klein, aber fein. Nette Wirtsleute, verwunderte Stammgäste, die sich an der Theke anstellen mussten, weil ihre Plätze belegt waren. Das grämte die DienstagWanderer in keinster Weise, man gönnte sich das eine und andere Bier, unterhielt sich und zählte die Züge die hinter dem Lokal vorbeirauschten. Früher hätten die Gläser gezittert, hätte man das eigene Wort nicht mehr verstanden und heute? Schschscht… und weg waren sie, die Züge und letztendlich auch die DienstagsWanderer.

Eine Antwort auf „Die DienstagsWanderer ließen sich nicht aufhalten“

  1. Sehr mutig, bei diesem Wetter unterwegs! Hätte gedacht, Ihr lasst den Dienstag ausfallen, aber nein, Hochachtung!!!
    Grüße Uschi

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