Sabine die Wüste und Karl der Große

Dienstag, 11. Februar 2020

Sabine ließ Züge nicht mehr fahren und Flüge ausfallen, aber die DienstagsWanderer konnte sie nicht aufhalten.

Die Ballade “Sabine war ein Frauenzimmer, gar hold und tugendhaft“, die muss dringend umgeschrieben werden.

“Wenn eine Frau zur Furie wird“, so konnte man das Sturmtief der vergangenen Tage bezeichnen. Nun gut, eine Wanderung am Heimbach entlang zwischen Wälde und Betzweiler und über die Höhe vorbei am ehemaligen Gasthaus Berghof zurück nach Wälde war angesagt. Das musste gehen. Zumal Kamerad Peter aus Stuttgart angereist war, da wollten sich die Schwarzwälder doch nicht lumpen lassen. Und es ging. Es ging am hochwasserführenden Bächlein entlang. Deutlich waren in den Wiesen die Spuren des Höchststandes zu sehen. Angeschwemmte Äste und Gestrüpp markierten den Verlauf. Windböen, Regenschauer und Schneegestöber wechselten sich ab.

Im Heimbachtal.

Stockfaule Erlen lagen entwurzelt am Ufer, abgebrochene Gipfel säumten den Weg. Drüben am Hang hatte der Sturm eine Schneiße gerissen. Das Geräusch einer Motorsäge war zu hören. Es war ein im Heimbachtal niedergelassener Mettstetter, der mit seinem Holzvorrat hinter dem Haus beschäftigt war. Schrille Pfiffe hallten durchs Tal, Günter legte die Motorsäge zur Seite, verschwand wortlos im Keller aus dem er mit einer  Flasche Zwetschgenwasser wieder heraus kam.

Günter ließ sich nicht zwei Mal bitten.

Das nennt man blindes Verständnis. Zum Wohl. Man war sich einig, nur so kann man eine Wanderung bei diesem Wetter schadlos überstehen. Und sowieso, Günter wäre stocksauer gewesen, hätte man ihn einfach übersehen, übergangen. Staunen konnte man danach an einem Hofgut, okay, gut hat’s nicht ausgesehen, weder vor noch hinter dem Zaun. Hans wären die Tränen gekommen oder er hätte die Mütze über die Augen gezogen. Gefährlich glitschig präsentierten sich die kleinen Holzstege über den Heimbach.

Alle heil drüber gekommen?!

Idylle am Fischweiler, Tristesse am Gasthaus Heimbachmühle. Vorbei war dann das Schlendern durch die Talauen. Schnurgerade und steil ging’s bergan. Hallwanger Weg war angeschrieben. Komisch, wo bittschön geht’s nach Hallwangen? Fritz hatte wie so oft die Lösung parat. Man befand sich auf dem Zugang zum Gewann Hallwang. Allerdings kostete der Anstieg einige Tropfen Schweiß und etwas Ausdauer. Ein Waldarbeiter mit schwerem Gerät und wildes Schneetreiben empfing die Wanderer oben beim Sportplatz. Nun ging es wieder gemütlich hinüber zum Einfirst. Ungemütlich wurde es für Richard, nachdem er seinen Hut aus der Ackerfurche geholt hatte und nach einem Sprung auf die Straße bäuchlings auf dem harten Asphalt landete. Frontal fing sein Spoiler alles ab, nur die Hände waren schutzlos und bluteten. Vermutlich bog Fritz deshalb auf den kürzesten, nicht vorhandenen Weg, der steil über die Ellhalde hinunter nach Wälde führte, ein. Und wie es sich für eine Herde gehört, folgten ihm seine Hammel. Mit letzter Kraft hangelten sich die Kameraden am Geländer der “Langen Stiege“ hinauf. Adlerwirts hatten gut eingeheizt, begrüßten die Männer und nach und nach waren auch alle mit Getränken versorgt. Ein bisschen stolz war man schon, dass man der “Wüsten Sabine“ zwei schöne Stunden abgetrotzt hatte. Und das musste gefeiert werden. Dazu der 70ziger von Karl, der somit zwei Gründe zu feiern hatte. Er zeigte Größe, deshalb auch “Karl der Große“, ließ sich nicht lumpen, zahlte zwei Runden, zwei Flaschen Rotwein und nach zwei weiteren Stunden sang man “Tisch in die Höhe“ und prostete sich knapp unter dem Plafond (schwäbisch Blaffo) zu.

Trotz Schräglage nichts passiert.

So in Feierlaune fiel es Siegfried auch noch ein, dass er kürzlich Geburtstag hatte. Die “Zwei“ schien ihm aber in einen Farbkübel gefallen zu sein, aber trotzdem freuten sich die DienstagWanderer über seinen Absacker. Per Handschlag wurde jeder von der Wirtin verabschiedet, die auch das “Kommet au wieder“ nicht vergaß. Versprochen.

 

 

 

Eine Antwort auf „Sabine die Wüste und Karl der Große“

  1. Sehr mutig, kann ich nur sagen und trotzdem eine Wanderung, gespickt mit viel Humor und Belohnungen in welcher Form auch immer. Toller Bericht und viel Freude beim Lesen,
    herzlichst Uschi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.