Seltsame Gedankenübertragung bei den DienstagsWanderern

Dienstag, 12. Mai 2020

Endlich wieder raus in die Natur.

So rief es scheinbar anfangs der Woche im Hinterstübchen der Senioren. Jahrelang traf man sich dienstags zum Wandern und Einkehren. Plötzlich kommt so ein verflixtes Virus daher und man wird zum  Risikofaktor, wird weggesperrt und hat acht wochenlang fast keine Möglichkeit,  dem „Dätsch mer net“ auszuweichen. Häusliche Gewalt- oder wie man das nennt.

Dazu der Frust über die unverständlichen Schlagwörter: Lockdown, Shutdown, Homeschooling, Homeoffice, Corona Newsblog, Indoor/ Outdoor Sport, Podcast, Social Distancing, Zoom Room. Zum Haare raufen. Sofern man nicht schon beim Friseur war.

Ja und dann ging am Dienstagmorgen die Sonne über Fürnsal, Mühlheim, Bettenhausen und Leinstetten auf. Und irgendwo stand, dass Lauftreffs wieder erlaubt sind. Wie schnell man laufen muss, steht nicht dabei. Also traf man sich in Zweiergruppen statt zum Wandern eben zum Laufen. Und da die Gedankenübertragung bei den DienstagsWanderern sehr ausgeprägt ist, verließen plötzlich fast gleichzeitig freudestrahlende Männer ihren Hausarrest und liefen im vorgeschriebenen Abstand seltsamerweise alle in Richtung Hardtwald.

Wo kann es schöner sein?

Ein herrlicher Nachmittag. Unglaubliche Ausblicke von der Steige ins Glatttal und zu den Höhen nach Brändi. Innehalten zu einem kurzen Gebet an der Grotte. Denkste. Die Bierflaschen im Rucksack zwangen die Wanderer, stopp, die Läufer, fast in die Knie. Der Durst wurde unerträglich. Also gönnte man sich keine Pause. Aber irgendwo stand, dass erst um 15:00 Uhr im Hardtwald angestoßen werden darf. So ein Blödsinn. Das dachten wohl auch die Esel, die gelangweilt auf ihrer Weide im Schatten standen. Der Anstieg über die Alte Hardtsteige war dann recht schweißtreibend. Ein letztes Stück über die Äcker und unendlich träge tickte der Uhrzeiger gegen 15:00 Uhr. Die Wartezeit wurde mit dem Heranschaffen von Sitzgelegenheiten in Form von Holzklötzen, schwäbisch „Rugele“, und dürren Ästen überbrückt, die verantwortungsbewusst mit großem Abstand aufgestellt wurden. Ganz zufällig hatten sich auch in Bettenhausen zwei Zweiergruppen auf den Weg gemacht und nicht zu fassen, auch ihr Ziel lag im Hardtwald.

Gemütliche Hockete.

Dann gab es kein Halten mehr. Karl verteilte sein Kehle-Desinfizierungsmittel und aus den Rucksäcken durfte jeder sein Fläschchen Bier herauszaubern. Plopp  und  prost. Was für ein Tag!? Hans kam mit dem E-Bike  aus dem Dickicht gestrampelt, in dem er mysteriöserweise ein Kiste Klosterstoff gefunden hatte. Was für ein Zufall!?

Was man im Wald so alles findet!

Was für ein Ärgernis? Einige DienstagWanderer erreichten weder die Gedankenübertragungen, noch die Seelenverwandtschaft und leider auch keine Rauchzeichen. Schade.

Trotz großem Abstandhalten und Mundschutz entstand eine angeregte Unterhaltung. Es wurde diskutiert, gejammert, gescholten, gelacht ond romgrechtet. Halt wie es so der Brauch ist. Das tat mal wieder richtig gut.

Flasche leer.

Zum Schluss noch ein Absackerle ging leider nicht, die Flaschen waren leer und Tom hatte seine Kneipe noch geschlossen. So verließ man den herrlichen Platz am Waldrand und trat beschwingt, begeistert und ausgeglichen den Heimweg an. Bleibt zu hoffen, dass der nächste Lauftreff noch besser läuft und die Läufer gesund bleiben.

 

Eine Antwort auf „Seltsame Gedankenübertragung bei den DienstagsWanderern“

  1. Richtig Herzerfrischend, lieber Gerhard für Euch Alle. Ja, da merkt man erst, wie wichtig die kleinen Freiheiten sind und nun schätzen wir alles noch mehr. Zum Glück haben wir diese herrliche Gegend und auch für uns „Gefährdete“ einen tollen Auslauf. Prima, für Euch wieder in kleinsten Grüppchen unterwegs sein zu dürfen. Hoffen wir, daß es immer besser wird, herzlichst Ursel!

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