Erinnerung an Weihnachten in den 50iger Jahren in Leinstetten

Stille und besinnliche Weihnachten gehen heute leider oft im Konsumrausch, der den Menschen schon Ende September in allen Geschäften begegnet, unter.

Blickt man zurück in jene Zeit, in der es noch keine elektrische und blinkende bunte Weihnachtsbeleuchtung gab, die Menschen nicht von Geschäft zu Geschäft hetzten, um noch letzte Weihnachtsgeschenke zu ergattern,  kommt der Gedanke auf, über ein besonderes Weihnachtsbrauchtum im kleinen Ort Leinstetten zu berichten.

Wie auch heute noch, war die Vorfreude auf die Weihnachten bei jung und alt groß.  Damals war  schon die Zeit des Advents sehr geheimnisvoll und Weihnachten rückte immer näher, wenn jeden Sonntag  eine weitere Kerze angezündet werden konnte. Am Abend, wenn die Kinder im Bett waren, wurden von den Eltern und Großeltern oft die Geschenke gestrickt, genäht oder auch mal eine Puppenstube geschreinert. Diese gab es dann, versehen mit einem weiteren Möbelstück, jedes Weihnachten als Geschenk, das an Lichtmess wieder in der „Versenkung“ verschwand. Die Puppen bekamen neue Kleider und ganz exquisit gab es für die Buben auch mal ein Holzauto oder ganz nobel, eines aus Blech. Es verstand sich von selbst, daß man in dieser Zeit besonders brav sein zu hatte, denn das Christkind sah die kleinen Vergehen.

Im Gedächtnis vieler Bewohner von Leinstetten ist sicher noch die Bescherung zu Weihnachten, die im Schloss der Familie von Podewils stattgefunden hatte.  Schon  vor 1900 wurde in Leinstetten  von Gabriele, Freifrau von Podewils, (geb. 1862) eine „Dorfkinderweihnacht“ ins Leben gerufen.

Das ganze Jahr über strickte und nähte sie, um Kinder aus kinderreichen Familien,  Waisen und Halbwaisen mit Geschenken zu beglücken  und ihnen eine Freude zu bereiten. Von Ihrem Sohn, Wilhelm, Freiherr von Podewils,( geb. 1891) und dessen Frau Maria, Freifrau von Podewils, (geb. 1908) wurde diese „Dorfkinderweihnacht“ zum Wohle der Leinstetter und Fürnsaler Kinder weiter gepflegt.

Eine am Ort ansässige Strickerei bekam vor Weihnachten den Auftrag, Mützen, Schals und Handschuhe zu stricken und diese zusammen mit kleinen Naschereien zu verpacken. Später durften die Kinder Wunschzettel schreiben und diese Wünsche wurden von Herr und Frau Baron erfüllt.

Zu einer Weihnachtsfeier bei den Barons im Gartensaal kamen die Kinder mit Pfarrer und Lehrer. Viele Ältere erinnern sich noch an einen riesigen Weihnachtsbaum im großen Saal, der die Kinder besonders faszinierte. Mit Liedern und Gedichten wurde eine Feier abgehalten und am Schluss gab es die Bescherung. Ein Ball, eine kleine Tasche oder Stoffe zum Nähen  und vieles mehr, befanden sich in den Päckchen.

Aus einem Zeitungsartikel, (aufbewahrt von einer Zeitzeugin) anlässlich des 70igsten Geburtstags von Wilhelm, Freiherr von Podewils ist folgendes zu entnehmen:“ Auch mit den örtlichen Vereinen besteht eine gute Verbindung, wenn der „Baron“, wie ihn die Leinstetter nennen, bei einem Vereinsjubiläum  die Schirmherrschaft annimmt und zum Fest auch noch etwas Vereinskasse spendet. Den Einladungen zu Liederabenden, Konzerten und Theateraufführungen folgen der Jubilar und seine Gemahlin gerne. Nicht zu vergessen sei der Kirchenbau im Jahre 1946, zu dem aus dem Schloss auch eine hochherzige Spende kam.”

Sicher erinnern sich noch viele Leinstetter  und auch Bewohner aus Fürnsal an diesen schönen Brauch.

3 Antworten auf „Erinnerung an Weihnachten in den 50iger Jahren in Leinstetten“

  1. Hallo Gerhard,
    hat mich sehr gefreut. Daß Du als “Brummler” abgestempelt wurdest, habe ich nicht mit bekommen, aber Dich hat die Bescherung trotzdem gefreut!!! Das “z`Licht” gehen müssen wir nach Corona unbedingt wieder einführen. War eine tolle Zeit und wir haben das auch immer sehr genossen, weil es da immer etwas Besonderes gab. (bei Walde)!!!

  2. Liebe Ursel, danke für deinen interessanten Bericht. Toll. Auch ich erinnere mich gerne an die Weihnachtsbescherungen im Schloß, obwohl ich nicht mitsingen durfte, da ich als Brummler abgestempelt war. Was mir noch besonders in Erinnerung ist, dass wir mit unserer Mutter zur Verwandtschaft zLicht gingen. Es wurde gegaigelt, “Mensch ärgere dich nicht gespielt”, es gab was zu naschen und ganz spannend war der Heimgang in der Dunkelheit. Vielleicht kann man diesen Brauch nach Corona wieder aufleben lassen. Gruß Gerhard

    1. Hallo Gerhard, danke für das Lob. Musste so lachen, als Brummler warst Du mir nicht bekannt. Ja, das „z‘Licht“ gehen haben wir früher noch gemacht. Schauen wir, dass wir diesen schönen Brauch nach Corona echt wieder aufleben lassen. Wir sind dabei. Grüße Ursel

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