St. Konrad-Kirche in Bettenhausen

Die St. Konrad-Kirche in Bettenhausen beherbergt ein besonderes Kunstwerk eines Alten Meisters aus dem Jahre 1596. Der Name des Künstlers ist leider unbekannt auf diesem Holzbild nicht ausgewiesen. Jedoch kennen wir seinen Stifter.

Dokumentiert von Fritz Peter, Leinstetten - April 2021

Es ist die Zeit der Spätrenaissance am Ende des 16. Jahrhunderts.

Nach dem Konzil von Trient ist es ein Spannungsfeld zwischen Reformation und Gegenreformation, aus der dann der Barock entsteht. Dieses großartige Bild wurde von Neffen des Leinstetter Spitalstifters Hannß Marx III. von Bubenhofen für die kleine Pfarrkirche in Leinstetten im Alter von etwa 40 Jahren in Auftrag gegeben. Hannß Marx III. von Bubenhofen war 1553 geboren und mit Catharina von Freyberg zu Justingen verheiratet und im Schloß in Leinstetten sesshaft. Diese Eheleute hatten auch zu Beginn des 17. Jahrhunderts des neue Schloßgebäude mit Renaissance Giebel neben dem alten Wasserschloß erbauen lassen. Am Giebel finden wir die Jahreszahl 1609

Die Schrift unter dem Bild bezeugt: „Gott dem herrn zu Glori Preiß Lob und Ehren /ime zu ainer Gedechntnuß / had der Edel und Vest Juncker Hanß Marx von Bubenhofen zu Leinstetten und Liechtenfels diese Tafel zurichten lassen / und ward volendet alls man nach Christi Geburd zalt Tausent Fünf Hundert Neunczig und Sechs Jar / den x-tag Hornungs.“

 
Auferstehungsbild aus dem Jahre 1569

Im Buch “Sehen und Entdecken im Kreis Rottweil” von Egon Rieble aus dem Jahre 1980 finden wir folgende Beschreibung:
“Dieses Osterbild aus dem Jahre 1569, auf Holz gemalt, ist ein Werk von strenger Bildlichkeit und Komposition. Der Auferstandene beherrscht strahlend die Szenerie, mit der Rechten die Siegesfahne mit dem Kreuz und den Leidensinsignien haltend. Sein rotes Gewand signalisiert Leben aus Dunkel und Grabestiefe. In gesteigerter Weise gewinnt der lichte Korpus Gestalt. Zu dieser Kontrast-Situation kommt noch eine zeitliche Komponente, die in der Dynamik des Sich-heraus-schälens aus dem muschelförmigen Grabestuch und der Aufwärtsbewegung der Siegesfahne wirksam wird. In seiner sanften Geistigkeit ist das Gesicht Christi ein Gegensatz zu seinem kraftvollen Körper. Christus, der als einzige Gestalt den Horizont überragt, ist vom Strahl der Glorie umgeben. Gleichsam als lebendiges Kreuz in der Bildmitte stehend, lässt er die übrigen Figuren zur Bedeutungslosigkeit herabsinken.

 
Soldat mit dem Schwert, einer der 4 Wächter

Dabei sind sie, die Wächter nämlich, soldatisch streng um den Auferstandenen plaziert. Diese Krieger sind mit den gebräuchlichsten Mordwerkzeugen des Mittelalters bewaffnet: mit Schwert, Hellebarde, Armbrust und Morgenstern, jenem gefürchtetem mittelalterlichen Streitkolben mit Stacheln. Christi Hand aber schließt sich senkrecht über der die Schlagwaffe haltenden Hand des Soldaten. Wie gebannt nehmen die Wächter teil an dem österlichen Ereignis: ihre schwerbewaffnete Wehrlosigkeit besiegelt und bezeugt in eindrucksvoller Weise die Größe des Auferstandenen. Diese Wehrlosigkeit zeigt sich besonders an dem “aktivsten” unter den vier Wächtern, dem Soldaten mit dem Schwert. Sein mächtiger, in die falsche Richtung zeigender Schild dient ihm einzig dazu, sich festzuhalten. Ein anderer Zeuge, der Engel, hat mit Christus nicht nur die Frontalität gemeinsam: er nimmt die horizontale Bildbewegung auf, die von den Armen Christi ausgeht, und verharrt dennoch, sich auf den Stein des Grabes stützend, in beobachtender Passivität.

Reizvoll ist der Durchblick zu den drei Frauen mit den Salbgefäßen in der verlängerten Diagonalen des Grabsteines. Hinter ihnen zeichnet sich Jerusalem ab.

Obgleich hinter dem Geschehen stehend, tritt der Engel doch auch in Beziehung zum Beschauer. Der Zeuge der Auferstehung  bezeugt gleichsam auch deren Auswirkung  auf den Menschen. Dies im Sinne der Inschrift über dem Bild: “Christus, der Urstend und das Leben / Wil unnß  die Auferstehung geben H M V B * 1595.” (Urstend ist das althochdeutsche Wort für Auferstehung).

 

Nicht nur die religiöse Aussage des Bildes, die die Auferstehung direkt in die aktuelle Zeit der Spätrenaissance stellt anhand der Grabwächter mit den Waffen aus dieser Zeit, sondern auch die Wappentafeln über und seitlich an dem Bild sind von besonderer Bedeutung. Prächtig im Kopf ist das Allianzwappen der Eheleute mit von Bubenhofen und von Freyberg zu Justingen. Unterhalb von Bubenhofen befindet sich das Wappen der Edlen von Leinstetten mit den drei roten Sternen auf silbernem Grund. Es ist die einzig bekannte Darstellung des Leinstetter Wappen am Ort.

Bedeutsam sind auch die an den Seiten der Bildtafel angebrachten Wappensschilder mit der Ahnenprobe beider Familien der Eheleute und zwar auf der vom Betrachter linken Bildseite des Mannes und auf der rechten Bildseite der Frau. Es handelt sich jeweils um 8 Wappen und diese betreffen die Eltern, die Großeltern und die Urgroßeltern.

 

Damit wären wir auf der linken Seite bei den Eltern des Mannes: Johann Joachim von Bubenhofen und Sophia von Pappenheim, den Großeltern: Johann Marx von Bubenhofen und Magdalena von Ehingen sowie Joachim von Pappenheim und Anna von Laubenberg, den Urgroßeltern: Johann Caspar von Bubenhofen und Margarete von Rechberg, Georg von Ehingen und Anna von Richtenberg, Wilhelm von Pappenheim und Magdalena von Rechberg sowie Johann Caspar von Laubenberg und Sophia von Mandach.

Die Pappenheimer waren ein altes fränkisch-schwäbisches Adelsgeschlecht des Hochadels und hatten das Amt des Reichserbmarschalls im Heiligen Römischen Reich. Die Ehinger waren ein schwäbisches ritteradeliges Geschlecht aus dem Raum Rottenburg und in Neuneck und Dießen verheiratet. Die Laubenberg waren ein Adelsgeschlecht aus dem Westallgäu und Marschall bei Erzherzog Sigismund in Tirol. Die Rechberger waren ein schwäbisches Adelsgeschlecht und ihren Sitz in Schramberg mit der Burg Hohenschramberg. Die Richtenberger waren ein Adelsgeschlecht aus dem Mittleren Neckarraum und das letzte Wappen ist das der Herren von Mandach, aus der Nordschweiz.

Auf der rechten Seite die Eltern der Frau: Michael Ludwig von Freyberg und Felicitas Landschad von Steinach, die Großeltern: Georg Ludwig von Freyberg und Katharina von Laubenberg, Johann Pleikhard Landschad von Steinach und Anna Elisabeth von Helmstatt, die Urgroßeltern: Ludwig von Freyberg und Sibylla Gossenbrot, Johann Caspar von Laubenberg und Sophia von Mandach, Hans Landschad von Steinach und Margarete von Fleckenstein, Philipp von Helmstatt und Margarete von Neipperg. Rechts sind die Wappen in der Reihefolge etwas anders also: Freyberg, Landschad von Steinach, Laubenberg, Helmstadtt, Gossenbrot, Fleckenstein, Mandach und Neipperg.

Die Herrschaft Freyberg – Justingen gehörten zur schwäbischen Reichsritterschaft und die von Bubenhofen hatten die Herrschaft Justingen an die Freyberger verkauft und sind nach Leinstetten gezogen. Die Landschad von Steinach hatten ihre Burgen bei Neckarsteinach. Die Herren von Helmstatt waren im Kraichgau und Odenwald sowie Neckarbischofsheim. Die von Fleckenstein stammten aus dem nördlichen Elsaß und hatten die Burg Windeck in Baden. Die von Neipperg war ein Grafengeschlecht aus der Ecke von Schwaigern. Sybilla von Gossenbrot war die Gemahlin des bischöflichen Pflegers in Füssen Ludwig von Freyberg.

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Der Leinstetter Spitalstifter Hannß Marx II. von Bubenhofen ist auf seiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela 1550 kinderlos verstorben. Sein Bruder Hanns Joachim von Bubenhofen in Ramsperg bei Göppingen wurde Erbe des Rittergutes Leinstetten. Hanns Joachim von Bubenhofen war mit Sophia Marschallin von Pappenheim verheiratet. Sein Sohn Hanns Marx III. von Bubenhofen übernahm das Rittergut Leinstetten mit Bettenhausen und Lichtenfels.

Dieser Hanns Marx III. von Bubenhofen ist in der Kirche in Leinstetten beerdigt und hat dort ein Epitaph mit seinem Todestag 16. August 1617. Seine Ehefrau Catharina war die Tochter des Richard Ludwig von Freyberg und Felicitas  geb. Landschad von Steinach, der sehr aktiv in der evangelischen Reformation tätig war. Daher fühlte sich seine Frau der Reformation zugezogen, konnte diese nach dem Tod ihres Mannes in Leinstetten nicht einführen und lebte dann in Hemmingen bis zu ihrem Tod am 22.Mai 1633 bei ihrer Tochter Maria Jacobä die mit dem Freiherrn Ludwig zu Nippenberg verheiratet war.  In Hemmigen in der evangelischen Kirche erhielt sie ein großes Grabmahl. Darum steht auf ihrem Epitaph in der Leinstetter Pfarrkirche kein Sterbedatum.