Verborgene Grabstätte in Leinstetten

Letzte Ruhe in Leinstetten nach kurzem Leben

von Ursula Gukelberger, 15.05.2020

Wandert man von Leinstetten  auf einem Teil des „Bänklewegs“ in Richtung Burgruine Lichtenfels, begegnet dem aufmerksamen Wanderer ein Stück Geschichte, die für Leinstetten eine große Rolle spielte.

Sandsteinfindling

Ein markierter Sandsteinfindling zeigt den Weg zum nun verborgenen Grabmal des Philipp Jakob, Freiherr von Frank, das früher frei und für die Bewohner des Ortes sichtbar am Hang gegenüber des Schlosses stand (und zu dem vom Schloß eine Pappelallee führte). In den letzten hundert Jahren wurde es allerdings vom nachwachsenden Wald verdeckt.

Eine Chronik von Friedrich August Köhler, Pfarrer in Marschalkenzimmern von 1804 bis 1844,  die Fritz Peter, Historiker aus Leinstetten, intensiv überarbeitete, beschreibt nachfolgendes ( nach damaliger Rechtschreibung):

„Wegen Verschwendung durch die „Bubenhofischen“ Herrschaften wurde 1783 die Herrschaft Leinstetten verkauft, ebenso das Schlossgut, welches mit 600 fl (Gulden, auch Floren genannt) jährlich verpachtet war. Die Waldung war ausgehauen und die Untertanen waren durch die Willkür auswärtiger Beamten ausgesogen. Es war so schwierig, dass es zu einem Prozess derselben mit den Herrschaften kam. Die Beamten unterhielten diese Zwistigkeiten aus Eigennutz und deswegen waren beide „Theile“ froh, als sich endlich der v. Frank als Käufer anmeldete.

Wegweiser am Findling

Herr von Franck, ein in Straßburg geborener Protestant und ein reicher Cavalier, liess vieles an den Schloßgebäuden und in den Gärten verbessern und verschieden Anlagen zur Verschönerung von Leinstetten machen, das er in jedem Sommer auf einige Zeit mit seiner Gemahlin einer geborenen von Türckheim, besuchte. Er hatte so viele philologische Kenntnisse, dass er das griechische Testament fertig lesen konnte.

1789 in den ersten Tagen des Oktobers war er abermals nach Leinstetten gekommen, um in dieser ländlichen Stille sich von einem neuen Krankheits-Anfalle zu erholen, bekam aber einen Schlagfluss und starb den 12. Oktober unerwartet schnell u. erst 41 ½ Jahre alt. Weil im Schloßgarten als man kaum 1 ½ Fuß tief gegraben hate, sich die Öffnung schon mit Wasser auffüllte, so wurde in Eile an dem Bergab hange auf der Südseite des Dorfes eine Gruft ausgemauert und sein Leichnam unter einem großen Volkszulaufe daselbst den 14. Oktober beigesetzt. Er hinterließ nur 2 Töchtern, mit welchen seine Gemalin 2 Tage darauf nach Straßburg abreiste. Eine Tochter heiratete den französischen Armee Commisair Mathieu Favier, der später Napolens Geldeintreiber bei den besiegten Mächten war und auch in Stuttgart die Schulden aus dem Schloßverkauf eintrieb.

Bekannt ist aus den Quellen, dass Freiherr von Frank beim alten Schloß, einer Wasserburg, die Gräben einebnete und das Gärtnerhaus (Orangerie) erbauen lies. Seine Witwe besaß in Straßburg das Schloß Pourtalèt (später Intern. Schiller Unversität und heute Hotel).

Der Schloßverwalter Dr.med Franz Xaver Gschwind schrieb 1811:

“Phil. Jac. v. Franck, gebürtig aus Strasburg, und Banquier und Groshändler daselbst, kaufte die Herrschaft Leinstetten mit allem Zugehör um 75 000 fl.

Die Ritterschaft machte Anfangs Schwierigkeiten, ihn als Mitglied aufzunehmen (weil er als Straßburger Bürger evangelisch-reformiert war), allein es zeigte sich kein anderer Käufer, der baar bezalen konnte, und er wurde beim Canton Neckar Schwarzwald immatriculiert.

Er traf Alles zerrüttet an, schaffte den v. Bubenhofenschen Beamten fort, zog das verpachtete Schlossgut an sich, befreite die Unterthanen von den Frohndiensten gegen eine jährliche Abgabe von 2 fl, gab das Schlossgut an 20 Bürger in Pacht, den anderen aber Verdienst durch verschiedene Bauten, die er vornahm. Auch zog sein jährlicher Sommer Aufenthalt zu Leinstetten viele Fremde an diesen Ort.

Durch Vorschüsse unterstüzte er thätige Bürger. Während seines Besizes von Leinstetten hob sich der Ort zu einem neuen Wohlstande; er selbst kaufte unfern dem Schlossgut bequem gelegene Wiesen und 1 Stück Waldung von Bauern zu Fürnsal, lässt neue Gebäude und Anlagen um das Schloss her machen.“

Grabmal

Zu seinem Tod gibt es unterschiedliche Aussagen, wie im „Ortsbuch Bettenhausen-Leinstetten zu 900 Jahre in Wort und Bild“ erwähnt wird.

Auch hier wird beschrieben, daß  Freiherr von Franck Anfang Oktober 1789  abermals in den Ort kam, um sich hier von einer Krankheit zu erholen. Er bekam einen „Schlagfluß“ und starb am 12. Oktober im 41. Lebensjahr. „Weil denn Intoleranz keinen Protestanten in geweihte Erde aufnehmen wollte“, so schreibt der evangelische Pfarrer Koch von Fürnsal, ließ die Witwe in aller Eile am Berghang eine Gruft ausmauern, wo der Verstorbene am 14. Oktober – unter großem Volkszulaufe – beigesetzt wurde, wobei der Pfarrer von Fürnsal unter freiem Himmel die Grabrede hielt“.

Die trauernde Witwe kehrte wenig später mitsamt ihren beiden Töchtern nach Straßburg zurück, wo sie sich später nochmals verehelichte.“

Am 2. Juli 1790 schloß sie in Stuttgart mit dem Grafen Ludwig Friedrich Eberhard von Sponeck einen Kaufvertrag ab, worin sie ihm das Rittergut Leinstetten um 105.000 fl. überließ.

Inschrift am Grab

Im Vertrag wurde das Objekt wie folgt beschrieben: “die bei dem Löblichen Rittercanton NeckarSchwarzwald incorporierte und dahin steuerbare unmittelbare Herrschaft und Dörfer Leinstetten und Bettenhausen nebst dem Burgstall Lichtenfels, mit aller Landeshoheit, hoher und niderer Gerichtsbarkeit, Jure Patronatus und allen anderen Herrlichkeiten, Rechten und Gerechtigkeiten samt den Leuten und Unterthanen“.

Das Grabmal des Freiherrn von Frank (*1. April 1748, + 12. Okt. 1789) hat eine Länge von 3 m, Tiefe 1.2 m und Höhe von 1.5 m. Es ist aus Sandsteinquadern in Form einer Tumba errichtet. Den oberen Abschluss bildet eine Abdeckplatte mit Eierstab-Kyma. Auf der bergab gewandten Seite befindet sich die Inschrift mit Namen, Titel, sowie Geburts- und Sterbedaten des Verstorbenen.

Grab von Freiherr von Frank