Wasserversorgung in Leinstetten und Bettenhausen

Von Ursula Gukelberger 26.04.2020

Schon in frühester Zeit gab es in Leinstetten genügend Wasser aus vielen Quellen im Bereich des „Altern“ und im „Gries“. Mittels Wasserleitungen aus Holz gebohrt, sogenannte Teicheln, wurde das Quellwasser in verschiedene Brunnen im Ort geleitet, die der Versorgung der Bewohner und des Viehs mit Wasser dienten.

In der Beschreibung des Oberamts Sulz von 1863 lautet der Eintrag dazu: Gutes Quellwasser, das 12 laufende Brunnen liefern, ist in Menge vorhanden. Periodisch fließende Quellen kommen mehrere vor, von denen der sogenannte Äpfelbrunnen der bedeutendste ist.

Auch in Bettenhausen gab es drei laufende Brunnen am Ort, die ebenfalls von Teichelleitungen versorgt wurden. Die Quellfassung befand sich an der Fürnsaler Steige und an den drei Brunnen beim Bauernhaus Ott, bei der Mühle und an der Brücke vor dem Hirsch. Auch hier mussten die Bewohner für ihren Bedarf das Wasser holen und das Vieh wurde dort getränkt. Noch 1863 waren sechs laufende Brunnen überliefert, die hinreichend gutes Trinkwasser lieferten.

Anschluss an überörtliche Versorgung

In beiden Orten entstanden in der Zeit um 1892 bis 1898 Pläne, nachdem die hölzernen Teichelleitungen defekt waren, wie die Wasserversorgung verbessert werden könnte.

In einem Buch „Bettenhausen – Leinstetten 900 Jahr in Wort und Bild“ sind die erfolgten Maßnahmen beschrieben und festgehalten. In Bettenhausen wurde vom Gemeinderat der Wasserbautechniker Kröber aus Stuttgart mit der Planung eines Wasserwerks mit Hauswasseranschlüssen beauftragt. Die Maßnahme wurde schnell verwirklicht und am 5. Januar 1899 wurde mit einem Wasserfest die Übergabe des Wasserreservoirs gefeiert.

In Leinstetten war es ähnlich. Erst führte eine eiserne Leitung bis zum Rathausbrunnen. 1892 wurden die Griesquellen neu gefasst und eine Leitung ins Oberdorf gelegt. Das Wasserreservoir im Gries wurde 1901 fertig gestellt und weitere Leitungen im Dorf verlegt.

Bis circa 1907 verfügte Leinstetten einschließlich dem Kaltenhof über eine, für damalige Verhältnisse, zeitgemäße und moderne Wasserversorgung. Diese diente viele Jahre der Versorgung des Orts mit Wasser. Erwähnenswert ist dabei, dass zu früheren Zeiten besonders am Samstag gegen Abend der Wasserdruck nachließ, da sich die Bewohner von Leinstetten vor dem Sonntag ein Bad gönnten.

Das Regierungspräsidium Freiburg forderte 1975 und 1979 den Anschluss an eine überörtliche Wasserversorgung. Erst im Dezember 1990 stimmte die Verbandsversammlung der Heimbachwasserversorgung dem Anschluss von Leinstetten an den Hochbehälter Bettenberg in Fürnsal zu. Anlässlich eines Wasserfestes wurde am 17. Juli 1995 offiziell der Anschluss an den Zweckverband Heimbach-Wassergruppe in Betrieb genommen.

Brunnen und Quellen

Für Bernhard Bronner, der vor zwei Jahren verstorben ist, war die Wasserversorgung von Leinstetten ein Anliegen, für das er sich mit großer Leidenschaft einsetzte. Er war viele Jahre bei der Stadt Dornhan als Wassermeister angestellt und keiner wusste mehr Bescheid, als Bernhard Bronner.

Auf dem Weg von Leinstetten zum Kaltenhof, auch ein Teilstück des Jakobusweges, sind Brunnen zu finden. Der Kaltenhof mit seinen Häusern wurde mittels einer Druckpumpe durch die Hartquelle versorgt. So ist ein Kleinod, die „„Brunnenstube“ – etwas abseits vom Weg zum Kaltenhof gelegen. Hier wurde eine kleine Wegkapelle im Jahr 2000 von Bernhard Bronner errichtet.

Brunnenstube

Dem „Apfelbrünnele“, ebenfalls auf diesem Weg wird nachgesagt: Fließt viel Wasser aus diesem Brünnele, gibt es eine reiche Apfelernte, bei wenig, entsprechend eine geringe oder gar keine Ernte.

Apfelbrünnele

Auf dem Kaltenhof und in der Nähe der Wendelinuskapelle, legte Bernhard Bronner in der Zeit von 1996 bis 1998 einen historischen Brunnen frei, der nach einem Brand auf dem Kaltenhof mit Bauschutt zugeschüttet wurde. Zusammen mit zwei Helfern wurden an die 24 Kubikmeter Schutt aus dem Brunnen in mühseliger Arbeit ausgehoben. Im November 1996 stießen sie in circa 20 Metern Tiefe auf Wasser, und im August 1998 kam eine Bodenplatte zum Vorschein.

Brunnen auf dem Kaltenhof

Der Brunnen selbst, der aus Natursteinen in Trockenbauweise erstellt wurde, ist bis heute erhalten. Eine neue rundgemauerte Brüstung aus Natursteinen wurde erstellt, und Zimmermeister Gerhard Bronner versah diesen mit einer hölzernen Schöpfkonstruktion mit Laufrollenmechanismus sowie einem ziegelgedeckten Schutzdach.

Der Erhalt vieler Brunnen in Leinstetten und Bettenhausen verdanken ihre Existenz ebenfalls Bernhard Bronner. Dem Wasser, welches aus der alten Wasserversorgung stammt und aus den alten Brunnen fließt, werden als rechtsdrehendes Wasser heilsame Kräfte zugesprochen.

Brunnen an der Steige

Erwähnenswert ist das „Brünnele“ – errichtet 1878 an der Straße zum Kaltenhof. Dieses diente vor allem als Tränke für die Zugtiere, die die schweren Mistkarren auf den Berg ziehen mussten. Es ist überliefert, dass auch manch einer sein Bad im Brünnele genommen hatte. Außerdem machte es den Kindern früher großen Spaß, den Stopfen zu ziehen und zu sehen, wie das Wasser aus dem Brunnen schoss.

Brünnele

Viele Kleinode gibt es in puncto Wasser in und um Leinstetten zu sehen. Im Rathaus ist eine Ausstellung mit Fotografien von Joachim Groß über die Leinstetter Brunnen zu sehen.

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